SCD 1_2010

EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser, die aktuellen demographischen und damit verbundenen ge- sellschaftlichenVeränderungen stellen auch die Zahnmedizin vor grosse Herausforderungen. Die Lebenssituation der Men- schen in der zweiten Lebenshälfte erfährt gegenwärtig einen mehrfachenWandel,indem sich neue ältere Generationen mit anderen Bildungs-, Lebens- und Freizeitinteressen sowie mit anderenWohn- und Lebensbedürfnissen herausbilden.Es ent- wickeln sich neue Modelle und Formen des Alterns, deren In- halte zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht absehbar sind. Es gilt nun, sich mit dieser Dynamisierung innerhalb der älte- ren Generationen einerseits, und mit den medizinischen so- wie psychosozialen Besonderheiten des Alterns andererseits Zu diesen Prozessen ist die mit dem Altern verbundene Fragi- lisierung zu zählen, die unter anderem mit Multimorbidität, Polypharmazie und Malnutrition einhergeht und nachweislich Auswirkungen auf die orale Gesundheit älterer Menschen ha- ben kann.Dem entsprechend ist deutlich mehr ärztliches Den- ken und Handeln sowie eine intensive interdisziplinäre Ver- netzung zwischen Zahnmedizin und Medizin sowie angren- zenden, mit der Betreuung Betagter befassten Fachgebieten zu fordern. Eine mehrdimensionale Diagnostik und eine multidirektio- nale Therapie sowie Langzeitbetreuung alternder Menschen muss ins Zentrum unseres Interesses gestellt werden. Zahn- HIER IST DER ARZT IM ZAHNARZT GEFORDERT auseinanderzusetzen. So können wir uns in die Lage verset- zen, die rasch wachsende Population älterer und vor allem hochaltriger Menschen in Zukunft erfolgreich und nachhaltig zahnärztlich betreuen zu können. Es muss erkannt werden, dass sich der orale Gesundheitszu- stand älterer Menschen gegenwärtig nicht verbessert, son- dern, wie das Beispiel der Parodontitis zeigt, eher verschlech- tert. Dabei werden die hiermit in Zusammenhang stehenden Prozesse noch nicht richtig verstanden und entsprechend in der täglichen Praxis kaum berücksichtigt. ärztliche Anamnese und Diagnostik müssen durch die medi- zinischen und psychosozialen Patientendaten ergänzt wer- den, um eine valide und nachhaltige Diagnose- und Progno- sestellung sowie Therapie gewährleisten zu können. Dabei wird auch der Einschätzung der Ressourcen und der Compli- ance der Senioren eine zunehmende Bedeutung zukommen. Stellen wir uns dieser ärztlichen Herausforderung unseres Be- rufsstandes! Ihr Prof. Dr. Christian E. Besimo, Brunnen, Schweiz 3. Jahrgang 1/10 – Swiss Dental Community 3 Info Mehr zu dem Thema erfahren Sie in diesem Heft ab Seite 90 in dem Beitrag „Der Wandel hin zum aktiven Altern” von Prof. Dr. François Höpflinger, Titularprofessor für Soziologie an der Universität Zürich.

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